Wildschweine in Reinickendorf: Eine Analyse… und jede Menge Tipps

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Die Sommerzeit ist eine gute Zeit, um bauliche Veränderungen vorzunehmen. Erst kürzlich noch tobten, getrieben auch durch diverse Politiker, die Wildschweine durch die Schlagzeilen des Berliner Blätterwaldes. Es wurden mehr Abschüsse in besiedelten Gebieten gefordert oder noch absurder: Die Anti-Babypille für die Schwarzkittel! Die Jäger aus Tegelsee um Förster Mosch haben jedenfalls, in der vergangenen Jagdsaison mit 178 Sauen eine neue Höchstzahl an Abschüssen zu vermelden.

Dem Hungertod entgehen – notfalls per Angriff auf Terrassentüren

Aber warum huschten gerade in diesem Winter so viele Schweine durch unsere besiedelten Randbezirke, wo es doch eher viel weniger Tiere im Wald zu geben schien? Frank Mosch, Förster unserer Revierförsterei Tegelsee hatte hierfür eine einfache Erklärung. Es sei schlicht der Hunger, denn 2017 war ein schlechtes Eichel- und Bucheckernjahr gewesen und durch den vielen Regen im Herbst gab es kaum Pilze. So suchen die Borstentiere Einlass in unsere Gärten, um dem Hungertod zu entgehen.

Eine Anwohnerin des Tegeler Forstes berichtete sogar, dass ein Schwein zunächst den Garten durchwühlte und dann versuchte sich mit Gewalt durch die Scheibe der Terrassentür Zutritt zu verschaffen. Viermal rammte das Tier das Glas, so der Bericht der Dame. Schließlich zog die Frau geistesgegenwärtig die Vorhänge zu und das Schwein erkannte, dass es dort nicht weiter kommt.

Was können wir präventiv tun?

Das Abenteuer „Mensch“ nehmen die Borstentiere nicht auf sich, weil sie kuscheln wollen, sondern weil sie fressen möchten – um dem Hungertod zu entgehen. Da Wildschweine über einen ausgesprochen guten Geruchssinn verfügen und mit diesem gekochte Kartoffeln oder Vergleichbares auf Kompostern noch aus mehreren hundert Metern Entfernung wittern können, versteht es sich von selbst, die Tiere damit nicht noch zusätzlich anzulocken und ihnen das Fressen regelrecht zu präsentieren. Werfen Sie also nichts Gekochtes, Knochen oder Fleischabfälle auf Ihren Kompost. Eine zusätzliche Hilfe können auch geschlossene Komposter darstellen.

Stabile, ausreichend hohe Einfriedung unabdingbar

Aber auch sonst sind in Hungerzeiten Blumenzwiebeln und Würmer unter der Grasnabe ein willkommenes Nahrungsangebot. Wie können wir verhindern, dass die Tiere gar nicht erst auf Ihren Grund und Boden einfallen? Eine entsprechend stabile Einfriedung, die erhöhten Schutz gegen Wildtiere bietet, ist hierfür unabdingbar und sollte sich weder ein- noch hochdrücken oder überspringen lassen. Eine hohe Sicherheit bietet beispielsweise ein gemauerter Sockel auf dem ein Stabmattenzaun oder Vergleichbares aufgebaut ist, mit einer Gesamthöhe von 1,80 m. Die allgemeinen Empfehlungen für eine ausreichende Zaunhöhe beginnen bei 1,50 m.

Bestehende Zaunlagen anderer Bauart können Sie mit ein wenig Aufwand durchaus verbessern. Bei bestehenden Maschendrahtzäunen, die nicht 40 cm in das Erdreich eingearbeitet sind, ziehen Sie beispielsweise im Bodenbereich zusätzliche Spanndrähte ein. Beachten Sie bitte, dass wo Sie ihren Fuß runterschieben können, das Wildschwein seinen Rüssel bequem ansetzen kann. Sollte der Maschendrahtzaun also noch nicht gegen Hochschieben gesichert sein, sollten Sie unbedingt nacharbeiten. Eine gute erste Hilfe kann es sein, Kantensteine direkt vor den Maschendrahtzaun in der Art zu setzen, dass die Steine etwa 10cm herauszustehen und ein „Unterrüsseln“ von außen verhindern.

Auch das Überspringen können wir den Paarhufern erschweren, ohne beim Zaunbau in Gigantismus zu verfallen. Wildschweine wiegen in der Regel zwischen 100 kg und 200 kg. Um dieses Gewicht zu beschleunigen oder abzubremsen, drücken sie sich mit ihren kleinen Hufen vom Boden ab und hinterlassen tiefe Spuren, weil die Auftrittsfläche eben zu ihrem Körpergewicht relativ klein ist. Um beispielsweise über einen Zaun zu springen, müssen sich Mensch und Tier vom Boden kräftig abdrücken, um eine entsprechend hohe Kraft auf dem Boden übertragen zu können.

Glatter Untergrund macht Springen schwieriger

Stellen Sie sich bitte vor, sie laufen auf Stelzen und sie wollen schnell loslaufen oder gar springen. Dies wird Ihnen mit ein wenig Übung auf einem Waldweg leichter gelingen, als auf einem glatten Steinweg. Sie können sich auf dem weichen Waldweg besser abdrücken, also besser die Kraft auf den Untergrund übertragen. Ähnlich verhält es sich beim Schwein. Um gegen den Zaun zu drücken oder sich abzudrücken, um die Einfriedung zu überwinden, müssen sie auf wenigen Quadratzentimetern eine enorme Kraft aufbringen, ohne zur Seite wegzugleiten. Auf glatten Wegplatten ist dies für Huftiere sehr schwer umzusetzen. Es empfiehlt ich demnach, die „Absprungzone“ mit glatten Wegplatten zu pflastern, was den Winterdienst ebenfalls vereinfachen dürfte.

Internet-Versprechungen mit Skepsis betrachten

Duftstoffe, Haare oder ähnliches, welche gerne in Ratgebern oder Internetshops empfohlen werden, um Wildschweine abzuschrecken, wirken am Rande einer Großstadt leider kaum, weil die Tiere sowieso schon an den Menschen gewöhnt sind. Eine vernünftige Einfriedung bleibt also ohne Alternative. Jedoch hilft die sicherste Einfriedung nichts, wenn sie nicht geschlossen wird oder der Zaun zum Nachbarn marode ist.

Äußerst kontraproduktiv ist das Füttern der Wildtiere. Auch das Abladen von Gartenabfällen ist ein indirektes Füttern der Wildschweine, weil hierdurch eine gigantische Kompostfläche mit lauter leckeren Würmern und anderen Kleingetier direkt an der Siedlungskante angelegt wird. Damit werden die Wildschweine angelockt und so an den Menschen gewöhnt. Die Erfahrung der Tiere ist dann, dass ihnen in der Nähe von Menschen nichts schlimmes widerfährt, ganz im Gegenteil, dort findet es gut zu fressen.

… und die akute Gefahrensituation?

Welche Optionen hat nun der Bürger, der sich in Gefahr sieht, was tun, wenn die Wildsau den Garten in ein Schlachtfeld verwandelt, dem Komposte umwühlt, die Mülltonnen umwirft, oder sogar versucht in das Haus einzudringen?

In Gefahrensituationen ist in Siedlungsgebieten zunächst nur die Polizei und auch nur ausschließlich die Polizei vor Ort entscheidet entsprechend dem „ASOG“, dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz, ob eine entsprechende Gefahrenlage besteht und wie ggf. die Gefahr abgewendet werden kann. Beispielsweise wird einer der 35 ehrenamtlichen Stadtjäger gerufen, die Polizisten greift selbst ein oder sie entscheiden eben nach den Gegebenheiten angemessen.

Kniffelig gestaltet sich die Situation, wenn Wildtiere wieder und wieder Schaden anrichten, aber offensichtlich keine Gefahrenlage gemäß dem „ASOG“ vorliegt. Da Wildtiere herrenlos sind, wird Ihnen auch niemand den teilweise beträchtlichen Schaden ersetzen. Leider ist es wohl keine Seltenheit, dass hilfesuchende Bürger vergeblich von Amt zu Amt geschickt werden und auch mal an das Wildtiertelefon des NABU verwiesen werden.

Letztlich benötigen Sie in diesen Fällen die Hilfe der Stadtjägerschaft und, als Grundlage hierfür, die Einwilligung des Grundeigentümers zur Bejagung auf dessen Grund und Boden das betreffende Wild gerade steht, denn das Jagdrecht liegt immer beim Grundeigentümer. Ist der Eigentümer gerade nicht vor Ort oder das Haus ist vermietet, muss dennoch die Eigentümererklärung zum Zeitpunkt der Bejagung schriftlich vorliegen. Deshalb ist es sinnvoll, für den Fall der Fälle eine entsprechende Erklärung bei Nachbarn oder Mieter zu hinterlegen.

Den richtigen Ansprechpartner finden

Wer denn nun gerade für Sie der richtige Ansprechpartner als Wildtiergeschädigter ist und wie eine solche Eigentümererklärung auszusehen hat, erfahren Sie bei uns, dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Tegelort e.V. Sollten Sie als Anwohner des Tegeler Forstes weitere Tipps und Hilfe bei der Einschätzung Ihrer Einfriedung benötigen, so helfen wir gerne weiter. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns eine kurze Nachricht, dann versuchen wir Ihnen in geeigneter Art und Weise zu helfen.

Ihr Kontakt hierfür: Ralf Schönherr über 0177 23 000 32 oder per eMail: ralf.schoenherr@gmail.com, für allgemeine Fragen: Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Tegelort e.V., Friederikestr. 19, 13505 Berlin, oder ganz persönlich auf unserem Feuerwehrfest unserer Wehr in Tegelort am 16. Juni 2018 ab 12.00 Uhr. Wieder mit ganz besonderen Attraktionen für groß und klein, eben ein Familienfest für alle und für die ganz Großen mit Musik und Tanz bis in die Nacht bei toller Musik.

Autor: Ralf Schönherr

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